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Mittwoch, 20. September 2017

Bahuichivo / Cerocahui

Von Bahuichivo über Cerocahui zur Barranca Urique.

Die Sierra Madre Nordmexikos ist ein schroffes, schwer zu über­windendes Gebirge. Nur wenige Menschen leben in dieser rauen Berg­welt. Die wenigen Orte ent­standen meist aus ehemaligen Missions­stationen. So auch die 1.000-Seelen­gemeinde Bahuichivo, ein wichtiger Stopp auf der Eisen­bahn­linie von Los Mochis nach Chihuahua. Bahuichivo liegt bereits auf 1.600 m Höhe. Die Luft ist klar mit einer niedrigen Luft­feuchtig­keit und die Sonnen­einstrah­lung ist intensiv. Trut­hahn­geier kreisen am unglaub­lich blauen Himmel, und die Berg­hänge bedeckt licht stehender Wald. Chihuahua-Kiefern, Apache- und Ponderosa-Kiefern dominieren die vielen Eichen­arten und die rot­stämmige Texas Madrono, die wegen ihrer glatten Rinde im Volks­mund auch als Frauen­bein bekannt ist. Dazwischen wächst Wacholder, der wegen seiner rissigen, an eine Reptilien­haut erinnernde Rinde Alligator Juniper genannt wird. Die gerade gewach­senen Stämme der Kiefern sind hoch­begehrt, so dass viele Einwohner der Region in der groß­angelegten Holz­wirt­schaft arbeiten.

Nach zwölf Kilometern auf holperiger Piste erreicht man die Ort­schaft Cerocahui. Die ursprüng­lich ergiebigen Silber­minen in der Umgebung sind heute erschöpft.

In Cerocahui steht eine der schönsten Missions­kirchen der Sierra Madre. 1680 durch den Jesuiten­padre Juan Maria de Salva­tierra gegründet, verfiel sie über die Jahr­hunderte, wurde aber in den 50er Jahren des 20. Jahr­hunderts unter Leitung seines modernen Nach­folgers Padre Andreas Lara restau­riert. Dieser energische Padre ent­wickelte viel Tat­kraft, um den Bewohnern der Region das harte Leben erträg­licher zu machen. Er widmete sich besonders den Rarámuri-Indianern, für die er eine Internats­schule gründete. Ebenso trieb er den Bau der Straße voran, die heute dem Reisenden ein besonders beein­druckendes Erlebnis ermög­licht: den Abstieg in die Barranca Urique. Einige Kilo­meter hinter Cerocahui erreicht man den Rand dieser gewaltigen Schlucht am Aussichts­punkt Cerro Gallegos. Die Aussicht ist umwerfend. Man steht auf ca. 2.300 m Höhe, der zu Füßen liegende Canyon mit dem Städt­chen Urique am gleich­namigen Fluss erscheint wie ein Spiel­zeug zum Greifen nahe, ist aber über 1.800 m tief!

Die Piste zum Silberband des Flusses am Boden des Canyons fällt steil und in Serpen­tinen ab. Mit jedem Meter Abstieg in den Canyon wird es wärmer und schnell machen die Kiefern- und Eichen­wälder groß­wüchsigen Agaven und Mesquite-Bäumen Platz. Im Frühjahr beleben rosa und weiß­blühende Kletter­pflanzen die Hänge. Sie gehören zu den Winden- und Bignonien­gewächsen.

Am Grund des Canyons ist es verschwenderisch grün und die Luft tropisch warm. In den Winter­monaten ist dies ein ideales Klima! Urique ist eine Welt für sich. Malerisch an die Ufer des breiten Flusses geschmiegt, scheint sich hier seit der Grün­dung im Jahre 1690 nicht viel geändert zu haben, obwohl der Ort als cabicera municipio (Kreis­stadt) ein fast 4.000 km² großes Gebiet verwaltet. Die ca. 2.000 Einwohner leben vom Anbau von Erd­nüssen, Mangos, Papayas, Avocados und Zitrus­früchten. Erst seit 1976 ist Urique über eine Straße erreichbar, davor waren Esel und Pferde das einzige Verkehrs­mittel. Trotzdem sollte man für die 25 km von Cerocahui mindestens vier Stunden Zeit ein­kalku­lieren und ein robustes Auto nutzen. Urique wurde 1995 an das Telefon­netz ange­schlossen und wird seit 2001 mit Strom versorgt. Der Tourismus steckt noch in den Anfängen; kleinere Gäste­häuser bieten akzeptable Unter­künfte. Abenteuer­liche Floß­fahrten auf dem schnell fließenden Río Urique gehören aber schon jetzt zum Programm der lokalen Veran­stalter – fragen Sie uns!