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Freitag, 17. November 2017

Creel

Enrique C. Creel war Sohn eines US-amerika­nischen Konsuls in Chihuahua am Ende des 19. Jahr­hunderts. Als Vize­präsident der Kansas City, Mexico and Oriente Rail­road überwachte er den Bau der Eisen­bahn­linie von Chihuahua in die Sierra Madre. Die Gemeinde, bis zu der die Gleise im Jahre 1907 verlegt waren, wurde ihm zu Ehren Creel benannt.

Im Herzen der Sierra Madre Occidental gelegen, ist die Ort­schaft mit Aus­nahme eines kurzen Stopps in San Juanito mit 2.340 m der höchst gelegene Halte­punkt des CHEPE. Einge­bettet in die endlosen Kiefern­wälder der Sierra, war Creel ehemals forst­wirt­schaft­liches Zentrum. Dieser Charakter hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, denn der Tourismus gewinnt immer mehr Bedeu­tung. Ein Bummel durch die Straßen der Stadt zeigt eine bunte Mischung aus ein­heimischen Werk­tätigen, Rarámuri-Indianern und Besuchern ver­schiedener Nationa­litäten. Unter­künfte, Restaurants, Agenturen jeglicher Couleur, Bau-, Möbel- und Souvenir­läden schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Angebot an Unter­nehmungen ist vielfältig: man kann Mountain­bikes ausleihen, reiten, an diversen Tages­ausflügen teil­nehmen oder mehr­tägige Wande­rungen antreten.

Creel gilt als Eingangstor zu den Kupfer­schluchten. Von hier aus erreicht man neben Divisadero und Cerocahui auch Batopilas, die sagen­umwobene Stadt im gleich­namigen Canyon. Der Reich­tum an Silber, das in mehr als 200 Minen gewonnen wurde, machte diesen Ort über Jahr­hunderte zu einem El Dorado für Aben­teurer und Entrepreneurs.

Creel wird heute oft mit dem Namen des Jesuiten-Paters Luis Verplancken verbunden, der seine Lebens­tätigkeit den Rarámuri-Indianern gewidmet hat. Er kümmert sich seit Jahr­zehnten um ihre Belange und besucht sie in den abge­legensten Orten. Sein größtes Ver­dienst ist wohl die Gründung eines Kranken­hauses in Creel, die Clinica de Santa Teresa, in dem die Indianer ohne Bezah­lung behandelt werden. Die Kosten hierfür werden zum Teil aus dem Verkauf von Handwerks- und Kunst­gegen­ständen der Rarámuri gedeckt, die man im Missions­laden an der Plaza erwerben kann.

In der näheren Umgebung von Creel liegen einige lohnens­werte Ausflugs­ziele, wie z. B. der Lago Arareco, sieben Kilo­meter im Süd­osten, an der Straße nach Cusárare. Ein malerischer Bergsee, 40 ha groß, umgeben von schönen Fels­formationen und Kiefern­wald lädt hier zum Wandern, Reiten, Angeln oder zum Beob­achten von Wasser­vögeln ein.

Cusárare, 22 km südlich von Creel, ist eine Siedlung der Rarámuri-Indianer, die auf das 17. Jahr­hundert zurück­geht. Cusárare bedeutet in der Indianers­prache „Platz der Adler“. In der Missions­kirche hat man 1967 während Bau­arbeiten zwölf alte Gemälde entdeckt, die dem Leben Marias gewidmet sind. Sie erwiesen sich als kost­bare Relikte und stammen aus dem 18. Jahr­hundert. Sie wurden in Europa restau­riert und werden in einem eigens dafür gebauten Museum ausge­stellt. In Cusárare leben die Indianer noch sehr tradi­tionell. Wer das Glück hat, hier dem Fest der Oster­woche (Semana Santa) oder dem Fest der Jung­frau von Guadalupe am 12. Dezember beizu­wohnen, wird diese Eindrücke nie wieder vergessen.

Unweit vom Ort Cusárare kann man den Cusárare-Wasser­fall besuchen. Nach einer etwa drei Kilo­meter langen Wanderung durch das land­schaft­lich sehr reiz­volle Wald­gebiet ist das Ziel erreicht. Dreißig Meter tief fällt das Wasser des Flusses wie ein Vorhang über eine Gesteins­kante, die bei günstiger Sonnen­einstrahlung von einem Regen­bogen umrahmt wird.