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Sonntag, 26. März 2017

Die Mennoniten von Cuauhtémoc

Die Stadt Cuauhtémoc liegt 82 km westlich von Chihuahua im gleichnamigen Bundesstaat. Neben der wichtigen Viehwirtschaft gilt Cuauhtémoc als die „Kornkammer des Bundeslandes". Östlich von Cuauhtémoc liegt die Laguna de Bustillos mit ihren Wassersportmöglichkeiten und einer faszinierenden Vielfalt an Wasservögeln. In der Umgebung von Cuauhtémoc hat sich eine Enklave der altevangelischen Mennoniten niedergelassen.

Bei den Mennoniten handelt es sich um eine Religionsgemeinschaft altevangelischer Taufgesinnter,  die sich im 16. Jh. aus Täufergemeinden um Menno Simons  in den Niederlanden und in Norddeutschland herausbildete. Heute beträgt die Zahl der Mennoniten in aller Welt mehr als 800.000. Sie lehnen jede Art von Gewalt ab und wehren sich passiv gegen staatlichen Zwang in Glaubensdingen. In dieser Hinsicht stehen sie dem Calvinismus sehr nahe.  Bei den Mennoniten von Cuauhtémoc sind obligatorischer Kriegsdienst,  gerichtlicher Eid und Ehescheidung ein unabänderliches Tabu. Für das Schulcurriculum ist die Bibel das Maß der Dinge, wobei insbesondere die Nachfolge Jesu Christi gemäß der Bergpredigt im Vordergrund steht. Die Kindstaufe wird von allen Mennoniten abgelehnt. Dagegen soll sich in der Glaubenstaufe der junge Mensch (meist im 14. Lebensjahr) Gott zuwenden und ein ehrfürchtiges Leben nach Gottes Gesetzen führen. Dabei ist jedoch kein formelles Dogma entscheidend; jede Gemeinde ist eine Kirche in sich, die sich in ihren Versammlungen spiegelt. Die unüberwindbare Distanz zum Staat mit der Verweigerung jeglicher Gewalt zwang die Mennoniten wiederholt zur Auswanderung. Ihren Exodus begann die Religionsgemeinschaft im 18. Jahrhundert über Preußen in die Ukraine bis tief nach Sibirien. Als sich die Bedingungen im Osten verschlechterten, zogen die Mennoniten weiter nach Kanada und in den Norden der Vereinigten Staaten von Amerika, wo sich schon im 17. Jahrhundert die mennonitische Gemeinde der Amish People niedergelassen hatte. Die Mennoniten gehören wie die Quäker und die Brethren zu den Friedenskirchen.

1921 kam die erste Siedlergemeinde mit 5.000 Gläubigen auf Einladung des Bundespräsidenten Alvaro Obregón von Kanada nach Cuauthémoc im mexikanischen Bundesstaat Chihuahua; heute leben mehr als 40.000 Mennoniten auf dieser fruchtbaren Ebene. Über die Jahre haben sich in der Gemeinschaft drei Hauptgruppen mit grundsätzlich verschiedenen Wertvorstellungen herausgebildet. Während die liberale Gruppe eine breitere Schulausbildung unterstützt und mehr Kontakte zur spanischen Bevölkerung dieses Landstriches zulässt, halten die konservativeren Richtungen an den Traditionen ihrer Vorfahren fest. Diese Auseinanderbewegung macht sich in sozialen Spannungen bemerkbar, die für viele Mennoniten eine große psychische Belastung und für die Gemeinschaft eine Zerreißprobe darstellt. Bei den Spaniern in Cuauthémoc sind die Mennoniten insbesondere wegen ihrer guten Milchprodukte und ihrer Arbeit im Maschinenbau hoch angesehen. Neben dem Besuch der aufstrebenden mexikanischen Kleinstadt Cuauhtémoc empfiehlt sich der Besuch mehrerer Mennoniten-Siedlungen und dem lokalen Radiosender, der in deutscher Sprache ausgestrahlt wird. Auch sollten Sie sich das Mennoniten-Museum zur Geschichte der mennonitischen Glaubensgemeinde in dieser Region nicht entgehen lassen.


Die Mehrzahl der mennonitischen Kirchen und Gemeinden sind heute in der 1925 gegründeten Mennonitischen Weltkonferenz organisiert. Ein bedeutend kleinerer Anteil gehört dem Ökumenischen Rat der Kirchen an. 

Menno Simons wurde 1496 in Witmarsum in der Region Friesland geboren - ein Landstrich der heute zu Wonseradeel gehört. Schon seit seiner frühesten Jugend nahm Simons Anteil an dem Leben der christlichen Gemeinden in der Provinz Friesland. Durch die Lehren Martin Luthers und anderer Reformatoren wie Caspar von Schwenckfeld sowie Sebastian Franck schloss sich Simmons 1536 den Täufern an, die auf der Erwachsenentaufe bestanden und das von Dogmen geprägte Christentum ablehnten. Doch schon von frühester Zeit an wandte sich Menno Simons gegen die radikalen Ansichten des Thomas Müntzer, der mit seinen radikalen Forderungen die Täufergemeinden nachhaltig diskreditierte. Demgegenüber versuchte Menno Simons als Ältester seiner Gemeinde in Leeuwarden die gemäßigten Täufergemeinden zusammenzuführen. Zentraler Bestandteil seiner Lehre war die Forderung nach einem bußfertigen und Gott gehorsamen Leben des bewusst Getauften. Mit der Umkehr zu Gott in der Taufe verband sich gleichzeitig eine neue Perspektive bezüglich der Kirchenmitgliedschaft und formeller Dogmen, insbesondere der Kindstaufe. Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens wirkte Menno Simons insbesondere in den Niederlanden und in Norddeutschland, wo sich nach seinem Tod (gestorben ist Simons am 31.01.1561 in Wüstenfelde, in der Nähe von Bad Oldeslohe) aus seinen Anhängern die Religionsgemeinschaft der Mennoniten formte.