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Mittwoch, 24. Mai 2017

Loreto

Kopf und Mutter aller Missionen von Hoch- und Niederkalifornien.

Diese Inschrift über dem Portal der Kirche macht es jedem Besucher unmiss­verständlich deutlich. „Cabeza y Madre de las Misiones de Baja y Alta California“. Loreto, heute 10.000 Einwohner stark, ist ein geschichts­trächtiger Ort. Am 19. Oktober 1697 kam an dieser Stelle der Jesuiten­pater Juan Maria Salvatierra an Land und gründete die Misión Nuestra Señora de Loreto, die erste Mission in Baja California. Sie wurde schnell zum religiösen und welt­lichen Zentrum, von dem aus die Erforschung und Missio­nierung des gesamten spanischen Kaliforniens ausging. Bis zum Schicksals­jahr 1829 war Loreto auch Haupt­stadt dieses riesigen Gebietes, das sich von der Südspitze Nieder­kaliforniens bis zum heutigen US-Staat Oregon erstreckte. 1829 zerstörte ein Wirbel­sturm die Stadt. Der Schaden war so hoch, dass man sich entschloss, nicht wieder aufzubauen, sondern die Hauptstadt nach La Paz zu verlegen.

So versank Loreto bis ins 20. Jahrhundert in Bedeutungs­losigkeit. Erst der Beginn des Tourismus und vor allem der Sport­fischerei nach dem 2. Weltkrieg bewirkte den Wieder­aufstieg der Stadt, der durch die Fertig­stellung der Transpeninsular MEX-1 im Jahre 1973 beschleunigt wurde. Das Sportfischen von Gelbflossen-Thunfischen, Dorados, Schnappern, Segel­fischen und Marlinen ist heute der Touristensport Nummer 1.

In den 1970er Jahren hatte die mexikanische Regierung große Pläne. Nach dem Muster der Kapregion und angeregt durch das sonnig angenehme Klima, sollten um Loreto weit­räumige Freizeit­projekte entstehen. So wurde z. B. in Nopolo, acht Kilometer südlich der Stadt, investiert; eine Hotel- und Wohnzone, palmengesäumte Boulevards, ein Tenniscenter und ein 18-Loch-Golfplatz wurden angelegt, aber es fehlen die attraktiven Sand­strände, und das ganze Projekt läuft auf angenehmer Sparflamme.

Die Touristeninvasion wie in der Kapregion ist also bisher ausgeblieben – zum Glück möchte man sagen, denn so hat sich Loreto seinen Charme und Charakter bewahrt. Beides kann der Besucher genießen, z. B. in der weithin sicht­baren imposanten Kirche im Zentrum des Ortes. Das festgefügte Bauwerk überlebte den Wirbel­sturm von 1829 und wurde 1978 restauriert. Das Innere schmücken ein vergoldeter Altar aus dem 18. Jahrhundert, Gemälde und die Statue der Virgen (Jungfrau) de Loreto. Gleich neben der Kirche befindet sich das interessante Missions-Museum, das Missions­geschichte und Anthro­pologie zum Thema hat. Und davor, an der Plaza de Salvatierra, steht er, Juan Maria Salvatierra, der Vater aller kalifornischen Missionen in Form einer steinernen Büste. Im weiteren Umkreis findet man die Stadthalle, gemütliche Restaurants und Souvenirläden.

In den Bergen der Sierra Giganta, westlich von Loreto, liegt verborgen die Mission San Xavier. Die Mission, die noch heute als Kirche dient, wurde 1699 von Salvatierras Assistent Padre Francisco Piccolo erbaut, aber nach Über­fällen der Indios aufgegeben. Pater Ugarte, der die Sprache der Cochimí beherrschte und die Mission wieder­eröffnete, konnte die Indios zur Rückkehr bewegen. Die Mission gilt als schönstes Bauwerk ihrer Art in der Baja California.

Nicht zuletzt ist Loreto Ausgangspunkt für den Besuch der vorge­lagerten Inseln. Vom kleinen Hafen, wo sich die Braun­pelikane zum Fischen ins Wasser stürzen, starten die Boote zur Isla Coronado, einer klassisch geformten Vulkan­insel mit sehr schönen Gesteins­formationen, Vogel­kolonien und weißem Bade­strand. Weiter entfernt liegen die Inseln Del Carmen, Monserrate und Santa Catalina. Auf allen dreien findet man Ferocactus diguetii, einen riesen­haften Fasskaktus, der 4 m Höhe und 1 m Durchmesser erreicht. Santa Catalina hat zudem die klapperlose Klapper­schlange zu bieten, d. h. eine Klapper­schlange, die im Laufe ihrer Entwicklung die Rassel verloren hat.

1997 wurde das gesamte Meeresgebiet zwischen diesen Inseln zum Parque Maritimo Nacional Bahía de Loreto erklärt, so dass der Erhalt dieser natürlichen Schätze gewähr­leistet ist.