Mexiko / Baja California / Fauna
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Donnerstag, 20. Juli 2017

Fauna

Die Fauna der Baja California – Land und Meer – ein wahres Paradies für Natur­liebhaber.

Baja California gehört ökologisch gesehen zur Sonora-Wüste. Diese ist die arten­reichste der vier Trocken­gebiete Nord­amerikas und die Heimat für eine vielfältige Vogel­welt. Mehr als 300 Vogelarten kommen hier vor und viele kann man auf einem Spazier­gang entdecken. Insbesondere die Riesen­kakteen (Cardónes) sind heiß­begehrt und für Vögel oft mehr­stöckige Apartment­häuser. Gila­spechte hämmern jeden Frühling Löcher in die Stämme, um darin zu brüten. Sind sie ausgezogen, ziehen andere Arten ein: Elfen­kauz, Kaktus­zaunkönig, Buntfalke, Bunt­schwalbe, Arkansas­tyrann und immer öfter auch importierte Europäische Stare und Haus­sperlinge. Wieder andere Vögel nisten in den „Astgabeln“ der Kakteen – so die Weißflügel­taube, der Rotschwanz­bussard und die Spott­drossel. Hoch oben, von der Spitze der Kakteen, überblicken Truthahn­geier und der stolze Caracara, der National­vogel Mexikos, die Landschaft.
Betrachtet man mehr die unteren Regionen, so lassen sich regelmäßig Tauben, verschiedene Kolibris und Helm­wachteln beobachten. Bisweilen kreuzt auch „Roadie Roadrunner“, der Renn­kuckuck, den Weg.

Das die Halbinsel umgebende Meer – der Pazifik im Westen und die Cortés-See im Osten – ist außer­ordentlich nährstoff- und fischreich, ein Paradies für Seevögel. Ihre Brut­gebiete – die Inseln der Cortés-See – sind auch heute noch ungestört und unterstehen dem nationalen Natur­schutz. Überall in Meeres­nähe trifft man auf Braun­pelikane, die eleganten Sturz­taucher. Zusammen mit Westmöwen, Heermann­möwen und Pracht­fregattvögeln sind sie stets zur Stelle, wenn Fische angelandet oder ausgenommen werden. Ohren­scharben und drei weitere Kormoran­arten lassen sich auf Boots­ausflügen in ihren Brutfelsen beobachten, ebenso Blau­fußtölpel und Brauntölpel. Ein Muster­beispiel des effizienten mexika­nischen Natur­schutzes ist der Fischadler. Überall wird seine Brut auf Strom­masten mittels Platt­formen gefördert und allein im Bereich von Guerrero Negro brüten mindestens 150 Paare.

Schließlich die Mangrovenzonen. Sie bedecken weite Flächen entlang der Küsten und umranden ruhige Buchten, in denen die Grau­wale ihre Jungen zur Welt bringen. Allein hier findet man neun Reiher­arten – z. B. Dreifarben­reiher, Schmuckreiher und Cayenne-Nachtreiher – neben dem Weißen Sichler und dem Gürtel­fischer, dem größten Eisvogel der Neuen Welt.

Baja California ist aber auch für überwinternde Vögel aus dem Norden wichtig. Die Palette ist enorm; sie reicht von Nashorn­pelikanen, Ringel­gänsen, Blauflügel-, Büffelkopf- und Spießenten bis zu Schwarzhals­tauchern und Binden­tauchern. Bei Ebbe liegen große Schlick­flächen frei und ziehen Watvögel an, wie z. B. Säbel­schnäbler, Amerikanische Brachvögel, Große und Kleine Gelb­schenkel, Kiebitz­regenpfeiffer und Steinwälzer.

Ab April/Mai werden mit steigenden Tempera­turen auch die Echsen aktiv. Stachel­leguane, Seiten­flecken­leguane und Wüsten­leguane huschen dann über die Steine und 18 Arten Klapper­schlangen gehen auf Beute­jagd, darunter als Besonderheit die Klapperlose Klapper­schlange, auf der Insel Santa Catalina. Sie hat dort keine Feinde, was die Rassel überflüssig macht.
Säugetiere bekommt man auf der Baja relativ selten zu Gesicht, einmal weil sie versteckt und zurück­gezogen leben, zum anderen weil viele Arten wegen Verfolgung und Zerstörung ihres Lebens­raumes rar geworden sind. Letzteres betrifft die Gebirgs­bewohner Puma, Ozelot und Schwarzbär sowie die mehr im Tiefland lebenden Gabel­böcke und Dickhorn­schafe. Die beiden letzteren überleben mit wenigen Hundert Exemplaren im Schutz­gebiet der Vizcaíno-Wüste.
Häufiger sind da schon der Maultier- und Weißwedel­hirsch sowie der Kojote, das am meisten gesehene und gehörte wilde Säugetier. Immer mal wieder kann man Hörnchen, Strauch­kaninchen und Kalifornische Edelhasen antreffen, wohin­gegen andere Nagetiere wie die Känguru­ratte nur nachts aktiv werden.
Nicht weniger interessant ist es, einen Blick ins Meer zu werfen. Taucher erfüllen sich in Baja oftmals einen lang gehegten Lebens­traum, wenn sie Gruppen von Hammer­haien, Mantas oder Delfine vor Augen haben. Allein 60 Haiarten kommen in den Gewässern um die Halbinsel vor, darunter auch der Plankton fressende Walhai – der größte seiner Art. Die früher so häufigen Meeres­schildkröten werden dagegen trotz der Schutz­gesetze immer seltener.
Etwa 900 bekannte Fischarten leben im Kalifornischen Golf, unter ihnen die Speerfische (Segelfisch, Marline und Schwertfische). Diese sind elegante, bis fünf Meter lange Hochsee­jäger, die über riesige Strecken wandern und kurzfristig Geschwindig­keiten über 100 km/h vorlegen können. Der Marlin wurde insbesondere durch Hemingways Roman „Der alte Mann und das Meer“ bekannt.
Seine geballte Kampfkraft macht ihn zur beliebten Beute für „Sportfischer“, worauf eine ganze Industrie aufbaut. Baja California gilt als Hochburg der Speerfisch­angler, die das Schwert der Fische als Trophäe in alle Welt tragen. Viel gefangen werden auch die großen Thunfisch-Arten; der Gelbflossen-Thunfisch etwa, der Wahoo und der Mahi Mahi.
Auf praktisch jeder Bootstour sieht man Wale und Delfine. Große Tümmler, der Gemeine Delfin und Spinner­delfin sind dabei nichts besonderes; Buckel­wal, Pottwal, Schwert­wal und gar der Blauwal sind etwas seltener anzutreffen.
Heimlicher König der Baja sind die Kalifor­nischen Seelöwen. Etwa 150.000 Tiere soll der Bestand stark sein, wovon 60 % an den Küsten und entlang den Inseln der Cortés-See leben. Die Jungen werden zwischen Mai und August geboren und beein­drucken den Betrachter mit ihren komödian­tischen Einlagen und unglaub­lichen Schwimm­künsten. Baja California, Land und Meer – ein wahres Paradies für Natur­liebhaber!