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Mittwoch, 20. September 2017

Los Mochis & Topolobampo

Wer mit dem Schiff von Baja California kommend das mexika­nische Fest­land erreicht, landet im dritt­größten natür­lichen See­hafen der Welt.

Topolobampo – ein großes Wort für das ver­träumte Dorf, malerisch gelegen inmitten eines Irr­gartens aus grünen Felsen­inseln und versteckten Buchten. Für Natur­liebhaber ist diese Region Mexikos ein wahres Schmuck­stück. Delfine und Kalifor­nische See­löwen tummeln sich im unmittel­baren Hafen­bereich. Braun­pelikane streiten sich um Fische an der Kai­mauer. Kormorane, Pracht-Fregatt­vögel, Blaufuß-Tölpel, See­schwalben und Möwen teilen sich den Luft­raum und nisten auf den umliegenden Inseln zusammen mit Kanada- und Seiden­reihern. Mitunter sieht man Hunderte von Urubus (Raben­geier) auf den großen Kakteen, den Cardónes, die weit über die sub­tropische Vegeta­tion von Topolo­bampo hinausragen.

Nur wenige Tausend Einwohner leben in „Topo“, obwohl ursprünglich viel Größeres geplant war. Der Ort entstand als Experiment des Nord-Amerikaners Albert K. Owen. Als junger idealistischer Ingenieur aus New York kam er 1868 in die Region. Von der Land­schaft begeistert und beein­flusst von den Ideen der damaligen Zeit entwickelte er einen kühnen Plan. Kolonisten sollten die Gegend besiedeln, eine „Sozia­listische Metropole des Westens“ schaffen, in der Wohl­stand und Fair­ness für alle herrschen sollte. Ein Welt­hafen sollte entstehen, der via einer neuen Bahn­linie quer durch Nord­mexiko die neue Heimat an die USA anbinden würde. Dies war die Geburts­stunde des CHEPE – jenes fast schon legendären Zuges, der heute die Reisenden von der Pazifik­küste über die Berge und Schluchten der Sierra nach Chihuahua bringt.

Ende des 19. Jahrhunderts suchten 6.000 Kolonisten ihr Glück in der Reali­sierung von Owens Traum; schnell über­rollte sie die harte Realität: Moskitos, Krank­heiten, Wasser­mangel, das Fehlen jeglicher Versor­gung und schließlich Geld­mangel machten das Paradies zur Hölle. 1891 war der Traum ausgeträumt, die Kolonie löste sich nach einer Meuterei der Siedler auf. Es blieben bröckelnde Fassaden einstiger Wohn­häuser, etwas Fischerei und eine gewaltige Kaimauer.

Erst in jüngster Zeit modernisiert sich Topolo­bampo, beein­flusst durch den nahen Wirt­schafts­magneten Los Mochis. Die Stadt, um 1900 in der Ebene des Río Fuerte gegründet, hat sich schnell zu einem wichtigen Handels- und Verkehrs­knoten­punkt mit über 300.000 Ein­wohnern entwickelt und breitet sich stetig aus. Los Mochis ist Univer­sitäts­stadt im Bundes­staat Sinaloa, hat einen inter­nationalen Flug­hafen sowie ein Bus- und Bahn­terminal. Grund­lage des relativen Wohl­stands ist die Land­wirt­schaft. Der frucht­bare Boden, ein warmes Klima und das Wasser des Río Fuerte garan­tieren reiche Ernten. War es ursprünglich Zucker­rohr, das den Aus­schlag zur Besied­lung der Ebene gab, werden heute Produkte wie Mais, Bohnen, Tomaten und eine Viel­zahl an tropischen und sub­tropischen Früchten angebaut und über den See­hafen von Topolo­bampo verschifft; ein reiches Export­potential, zu dem mehr und mehr auch die Vieh­zucht beiträgt.

Das schachbrettförmig angelegte Zentrum von Los Mochis begrüßt den Besucher mit breiten, von Palmen gesäumten Straßen und schattigen Plätzen, kleinen Museen, einem botanischen Garten, guten Hotels und Restaurants mit delikaten Meeres­früchte-Gerichten. Trotzdem ist die Stadt meist nur als kurzer „stop over“ einge­plant. Man kommt hierher, um den Zug nach Chihuahua zu nehmen. Jeden Tag verlässt der CHEPE die Bahn­station und beginnt seine lange Reise – ein Bahn­abenteuer, das sicher zu den beein­druckendsten der Welt gehört. Immer mehr Besucher zieht dieses Erlebnis in seinen Bann und bedeutet für Los Mochis eine weitere Einnahme­quelle.